Was ist technische Due Diligence?

Ein praktischer Leitfaden für Investoren und Software-Gründer

Technische Due Diligence ist eine unabhängige Prüfung der technologischen Verfassung eines Softwareunternehmens vor oder während eines Investment- oder M&A-Prozesses. Bei Software-Deals geht es darum, wie das Produkt gebaut und betrieben wird, wie das Team liefert und ob die Technologie den Investment Case tragen kann, nicht um Produktionsanlagen oder eine reine Inventur der IT-Bestände.

Venture-Capital- und Private-Equity-Investoren nutzen sie, um wesentliche Risiken und Potenziale für Wertsteigerung zu verstehen. Software-Gründer nutzen sie, um sich früh vorzubereiten, damit vermeidbare Lücken sie bei einer Finanzierungsrunde oder einem Verkauf nicht überraschen. Ich bin unabhängiger Berater mit Sitz in Berlin und arbeite mit Investoren und Softwareunternehmen in ganz Europa.

Diese Seite ist die Landkarte: eine verständliche Definition, wann die Arbeit wichtig ist, was eine Prüfung bei Software-Deals üblicherweise umfasst, eine praktische Checkliste und Links in das Tech Due Diligence Playbook für tiefergehende Beiträge, die auf Englisch erscheinen. Warum eine Due Diligence dem Deal dienen sollte statt einer Pflichtübung, lesen Sie in Ausgabe 1.

Was technische Due Diligence ist

Bei einer Software-Investition oder -Übernahme ist technische Due Diligence ein strukturierter Blick auf die technologische Verfassung des Unternehmens durch jemanden, der nicht das nächste Umsetzungsprojekt verkaufen will. Typische Bereiche sind Architektur und Produktplattform; Engineering-Umsetzung und Qualität; Sicherheit, Datenschutz und Compliance; Infrastruktur, Zuverlässigkeit und Betrieb; Daten, Analytics und KI; Team, Führung und Delivery-Modell sowie technische Governance und Kostenbewusstsein.

Sie ist keine Rechtsberatung, keine Finanzmodellierung, nicht bloß ein Penetrationstest, keine ISO-Zertifizierung und kein vollständiges Code-Audit Zeile für Zeile. Diese Tätigkeiten können in die Prüfung einfließen. Sie ersetzen aber keine entscheidungsorientierte Due Diligence, die Befunde nach geschäftlicher Auswirkung priorisiert.

Zu Zweck und Risikoregister lesen Sie Ausgabe 1: Deal-Maker, Not Checkbox.

Wann Investoren und Gründer sie einsetzen

  • Vor einem Term Sheet, wenn Technologierisiken in Preis oder Struktur einfließen sollten.
  • Während der Confirmatory Due Diligence, parallel zur finanziellen und rechtlichen Prüfung.
  • Nach dem Closing, um aus den Befunden einen Plan mit klaren Verantwortlichen zu machen statt eines vergessenen PDFs.

Die Tiefe sollte zur Transaktion passen. Eine Minderheitsbeteiligung, ein Mehrheitserwerb und ein Carve-out erfordern unterschiedliche Prüfumfänge. Darum geht es in Ausgabe 2: One Size Never Fits All.

Gründer, die sich früh vorbereiten, verringern vermeidbare Reibung bei Finanzierung oder M&A. Siehe Investment Readiness für Software-Startups.

Was eine Prüfung bei Software-Deals üblicherweise umfasst

In gut gemachten Software-Due-Diligences tauchen immer wieder dieselben sieben Bereiche auf. Unten steht zu jedem ein kurzer Hinweis, worauf zu achten ist, mit einem Link in das Playbook. Auch Anbieterrisiken, APIs, Resilienz und der Plan nach dem Closing sind wichtig. Sie finden sich unter Weiterführende Lektüre.

Architektur und Produktplattform

Kann die Plattform das Wachstum aus dem Investment Case tragen, und wo erzeugen Kopplung oder technische Schulden gebündelte Risiken?

Ausgabe 15: Platform Architecture Assessment

Engineering-Umsetzung und Qualität

Deuten Deployment-, Change-Failure- und Testsignale darauf hin, dass das Team in dem Tempo sicher ausliefern kann, von dem die Investmentthese ausgeht?

Ausgabe 3: The Metrics That Matter

Sicherheit, Datenschutz und Compliance

Sind Sicherheitsaussagen durch Nachweise belegt, und ist der regulatorische Weg (einschließlich DSGVO und EU AI Act, wo relevant) verstanden?

Ausgabe 8: Security & Compliance in the AI Act Era

Infrastruktur, Zuverlässigkeit und Betrieb

Passen Umgebungen, Resilienz, Observability und Cloud-Kostensignale zu einem Unternehmen, das ohne überraschende Ausfälle oder ausufernde Kosten skalieren kann?

Ausgabe 5: Scaling Without Bleeding Cash

Daten, Analytics und KI

Sind Datenverantwortung und Datengrundlagen klar, und sind KI- oder Analytics-Aussagen belegt statt nur vermarktet?

Ausgabe 10: Data Governance & Sovereign-Data Readiness

Team, Führung und Delivery-Modell

Wo konzentriert sich das Schlüsselpersonenrisiko, und ist die Nachfolgeplanung für kritische Rollen realistisch?

Ausgabe 11: The People Lens

Technische Governance und Kostenbewusstsein

Sind die Entscheidungsrechte für Technik klar, und reicht die Kostentransparenz für die Investmentthese und für die Steuerung nach dem Closing?

Ausgabe 22: Tech Governance for Hypergrowth

Checkliste für die technische Due Diligence bei Software-Deals

Nutzen Sie diese Checkliste für die technische Due Diligence als erste Landkarte für Investoren und Gründer. Sie ersetzt keine passend zugeschnittene Due Diligence und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Zertifizierung.

Umfang und Deal-Kontext

  • Deal-Typ und Ticketgröße abgestimmt (Minderheit, Mehrheit, Carve-out und Ähnliches)
  • Investmentthese und technikabhängige Annahmen schriftlich festgehalten
  • Tiefe und Zeitplan mit allen Beteiligten abgestimmt
  • Zugangsliste: Personen, Repositories, Cloud, Tickets, Dokumentation

Architektur und Produktplattform

  • Plattform kann das Wachstum aus dem Investment Case tragen
  • Wesentliche Kopplungs- und Modularitätsrisiken identifiziert
  • Bekannte technische Schulden nach geschäftlicher Auswirkung eingeordnet
  • Product-Tech-Fit auf hoher Ebene geprüft

Engineering-Umsetzung und Qualität

  • Deployment-Frequenz und Signale zu fehlgeschlagenen Änderungen geprüft
  • Test- und Release-Disziplin verstanden
  • Lieferrisiken auf dem kritischen Pfad festgehalten

Sicherheit, Datenschutz und Compliance

  • Zugriffskontrolle und Umgang mit Secrets geprüft
  • Nachweise für Sicherheitsaussagen angefordert
  • Relevanter regulatorischer Weg festgehalten (zum Beispiel DSGVO, EU AI Act, wo zutreffend)

Infrastruktur, Zuverlässigkeit und Betrieb

  • Cloud-Setup und Umgebungen erfasst
  • Resilienz und Incident-Historie geprüft
  • Grundniveau der Observability geprüft
  • Kosten- und FinOps-Signale stichprobenartig geprüft

Daten, Analytics und KI

  • Datengrundlagen und Datenverantwortung klar
  • KI- und ML-Aussagen belegt, nicht nur vermarktet
  • Vorgaben zu Datenresidenz und Datensouveränität festgehalten, falls relevant

Team und Delivery-Modell

  • Führung und Schlüsselpersonenrisiken erfasst
  • Nachfolgeplanung für kritische Rollen berücksichtigt
  • Delivery-Modell (Mix aus internem Team und Dienstleistern) verstanden

Governance, Anbieter und Kosten

  • Entscheidungsrechte für Technik dokumentiert
  • Wesentliche Anbieter und Lock-in geprüft
  • Haltung zu Build vs. Buy verstanden
  • Transparenz über Technikkosten ausreichend für die Investmentthese

Ergebnis und nächste Schritte

  • Wesentliche Befunde nach geschäftlicher Auswirkung priorisiert
  • Empfehlungen mit Verantwortlichen und Zeitpunkten
  • Maßnahmen vor und nach dem Closing getrennt
  • Befunde mit dem Investor und, wo angemessen, mit dem Unternehmen besprochen

Zur Erinnerung: Eine Checkliste ist kein Auftrag. Zu Zweck und Einordnung siehe Ausgabe 1. Wie aus Befunden ein Plan mit Verantwortlichen wird, zeigt Ausgabe 27.

Wie tief sollte die Prüfung gehen?

Passen Sie den Umfang an Ticketgröße, Unternehmensphase, Regulierung und Deal-Typ an. Für manche Minderheitsbeteiligungen kann ein schlanker, richtungsweisender Blick genügen. Größere oder komplexere Transaktionen brauchen meist tiefere Nachweise.

Ausgabe 2 behandelt das Scoping nach Transaktionstyp. Wie Aufträge in der Praxis zugeschnitten werden, steht auf der Seite Technische Due Diligence für Investoren.

Typische Fehler

  • Technische Due Diligence als Pflichtübung statt als Entscheidungswerkzeug behandeln (Ausgabe 1).
  • Für jeden Deal-Typ denselben Umfang verwenden (Ausgabe 2).
  • Cloud-Kosten- und FinOps-Signale ignorieren (Ausgabe 5).
  • Synthetische Lasttests mit einem realistischen Kapazitätsnachweis verwechseln (Ausgabe 25).
  • Personen- und Nachfolgerisiken übergehen (Ausgabe 11, Ausgabe 26).
  • Befunde ohne Verantwortliche oder ohne Plan für die Zeit nach dem Closing lassen (Ausgabe 27).

Weiterführende Lektüre aus dem Playbook

Das Playbook liefert fortlaufend Details aus der Praxis, diese Seite den Überblick. Beginnen Sie mit diesen Ausgaben und stöbern Sie dann im vollständigen Verzeichnis. Das Playbook erscheint auf Englisch.

Häufige Fragen

Was ist technische Due Diligence bei einem Software-Deal?

Eine unabhängige Prüfung der technologischen Verfassung eines Softwareunternehmens vor oder während eines Investment- oder M&A-Prozesses. Ziel ist es, wesentliche Risiken und Potenziale für Wertsteigerung sichtbar zu machen, damit Investoren und Gründer klarere Entscheidungen treffen können.

Worin unterscheidet sie sich von einem Code-Audit oder einem Pentest?

Ein Code-Audit konzentriert sich auf die Qualität des Quellcodes. Ein Penetrationstest konzentriert sich auf ausnutzbare Sicherheitslücken. Technische Due Diligence bei Software-Deals ist breiter: Architektur, Engineering-Umsetzung, Sicherheit und Compliance, Infrastruktur, Daten und KI, Team und Delivery sowie technische Governance. Code-Review und Sicherheitstests können einfließen, sie sind aber nicht die ganze Prüfung.

Wer gibt sie üblicherweise in Auftrag?

Auf der Käuferseite geben sie meist Venture-Capital- und Private-Equity-Investoren in Auftrag. Auf der Verkäuferseite bereiten sich auch Software-Gründer frühzeitig vor, um vermeidbare Lücken zu schließen, bevor ein formaler Prozess beginnt.

Was gehört in eine gute Checkliste?

Deal-Kontext und Zugänge, die sieben oben genannten Technologiebereiche, Transparenz über Anbieter und Kosten sowie ein klares Ergebnis: priorisierte Befunde, Verantwortliche, Zeitpunkte und eine Trennung von Maßnahmen vor und nach dem Closing. Eine Checkliste ist eine erste Landkarte, kein Ersatz für eine passend zugeschnittene Due Diligence.

Wo kann ich mehr dazu lesen?

Das Tech Due Diligence Playbook auf dieser Website geht nach Themen in die Tiefe: Zweck und Risikoregister, Scoping nach Deal-Typ, Kennzahlen, technische Schulden, Cloud-Kosten, Sicherheit, Personenrisiken und Pläne für die Zeit nach dem Closing. Das Playbook erscheint auf Englisch.

Wie spreche ich mit jemandem über einen laufenden Deal?

Investoren beginnen am besten auf der Seite Für Investoren. Gründer, die eine Finanzierungsrunde oder einen Verkauf vorbereiten, beginnen auf der Seite Für Startups. Sie können auch ein kurzes Gespräch buchen, um Umfang und Passung zu besprechen.

Sie brauchen das für einen laufenden Deal?

Investoren: siehe Für Investoren. Gründer in der Vorbereitung: siehe Für Startups. Oder buchen Sie ein kurzes Gespräch, um Umfang und Passung zu besprechen.

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